Dienstag, November 29, 2005

“It’s Malta” (3): Die Malteser

Wenn man sich als Fremder hier wundert, warum fast die ganze Insel komplett mit Beton zugepflastert ist und es eigentlich überall so voll ist als wäre man in einer Großstadt, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass man noch nicht viele Malteser kennen gelernt hat. Die Lieblingsbeschäftigung der Malteser ist es nämlich anderen im Weg rum zu stehen. Es scheint fast so als sammeln sich alle Malteser in Hauseingängen, auf Treppen und in engen Straßen um anderen gezielt den Weg zu versperren. Selbstverständlich versperren sie nur Fremden den Weg, denn andere Malteser versuchen gar nicht, sich daran vorbei zu drängeln - sie stellen sich einfach dazu. Das sind wohl die Spätfolgen der vielen Invasionen, die Malta in den letzten Jahrhunderten über sich ergehen lassen musste. Lasst die Fremden nicht vorbei, sie könnten das Land besetzen!

Dazu kommt, dass die Malteser unbeschreiblich laut sind. In einem Bus mit zehn Maltesern ist es lauter als in einer vollbesetzten Bremer Straßenbahn. Wie laut es in der Mensa ist, kann sich dann ja wohl jeder vorstellen. Auch hierfür habe ich schnell eine Erklärung gefunden: Ein Land wie Malta wird in der Welt einfach nicht wahrgenommen (warum auch?), also versuchen die Malteser mit Gewalt auf sich aufmerksam zu machen. Andere Länder tun dies durch große Leistungen im Sport (das funktioniert in Malta nicht, obwohl sie in der WM-Quali immerhin 1:1 gegen Bulgarien und Kroatien gespielt haben, im Rugby gab’s dafür ne 0:43 Klatsche gegen Deutschland) oder marschieren einfach in ein anderes Land ein (ich bin sicher Italien zittert vor Maltas riesiger Armee). Das ist halt der maltesische Weg.
Der typische Malteser ist ca. 1,60 groß und trägt Vokuhila. Ich habe noch nie so viele Leute mit abscheulichen Matten auf dem Kopf gesehen. Irgendwie ist das ja schon fast wieder cool, aber eben nur fast. Vielleicht veröffentliche ich hier mal ne Kollektion der übelsten Frisuren, die ich bislang hier gesehen habe.

Nicht unerwähnt bleiben soll die Tatsache, dass die Malteser wahnsinnig stolz sind auf ihr Land. Worauf genau können sie einem zwar nicht sagen, ist aber ja eigentlich auch egal - oder?

Samstag, November 26, 2005

Zwischenbilanz

Inzwischen bin ich zwei Monate hier, also ist die Hälfte der Zeit schon rum. Zeit für eine kleine Bilanz:

Dinge, die ich hier vermisse (außer Freunde, Familie, etc., denn das versteht sich schließlich von selbst):
- Internet zuhause, ohne Zeitlimit
- ein bequemes Bett
- Fußball gucken
- billiges Beck’s
- unsere Mensa (ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde)
- Gras (ich meine damit tatsächlich Rasen, so was ist hier extrem selten!)
- eine halbwegs organisierte Uni
- meine Spülmaschine
- Wäschewaschen ohne Geld dafür zu zahlen

Dinge, die ich hier nicht vermisse:
- Fernsehen
- Bremer Wetter
- Auto fahren

“Fuckin’ piece of rock in the middle of nowhere”

Es gibt genügend Gründe diese Insel zu hassen. Besonders an Tagen wie diesen. Das Wetter ist zur Zeit so wie in Deutschland im April: Sehr wechselhaft, eine Menge Regen, kalt, aber wenn die Sonne herauskommt wird es schnell wieder ziemlich warm. Was wirklich nervt ist die schlechte Internetversorgung. Samstag, 15:30, ich will ins Internet um Fußball über Internetradio zu hören. Das ganze kostet mich 2 LM (2 Stunden Internet) in der Residence (die Computerräume in der Uni sind am Wochenende nicht offen), also umgerechnet knapp 5 Euro oder auch 10 Mark. Dafür könnte man fast ins Stadion gehen. Wenn einem die nette (?) Dame an der Rezeption dann auch noch mitteilt, dass es leider keine Internetvoucher mehr gibt, ist der Tag so gut wie gelaufen. Dazu kommt noch, dass ich keine Emails verschicken kann, nicht übers Internet telefonieren kann, etc. (besonders heute ist das ärgerlich, weil ich Nina doch gerne zum Geburtstag gratuliert hätte und Yvonne eine Email versprochen habe…
Warum ist dieses Land in der EU? Gibt es irgendein europäisches Land, dass davon profitiert? Hier funktioniert wirklich gar nichts! Nicht nur, dass man ausgebeutet wird für jeden Scheiß ne Menge Geld bezahlen muss und so gut wie gar keinen Service dafür verlangen kann, nein, wenn man etwas wirklich braucht, kann man sich fast sicher sein, dass man es nicht bekommt. Am Donnerstag bin ich zwei Stunden lang durch alle möglichen Geschäfte gerannt um einen Regenschirm zu kaufen (einen kleinen, der sich öffnet wenn man auf einen Knopf drückt) und habe natürlich nichts gefunden. Die Geschichten, die man von anderen Leuten hört sind teilweise wirklich haarsträubend. Von einer Amerikanerin habe ich gehört, dass sie versucht hat einen neuen Poweradapter für ihren Laptop zu kaufen. Der einzige Adapter den sie gefunden hat war fast so groß wie ihr Laptop (von ihr kommt der Spruch aus der Überschrift)!
Im Prinzip stört es mich ja nicht, dass es hier nicht so eine Übergenauigkeit gibt wie in Deutschland und keine übertriebene Freundlichkeit wie in den USA, aber wenn man schon für alles mögliche zahlen muss, dann möchte man für sein Geld wenigstens etwas bekommen. Warum kauft die Residence keine neuen Internetvoucher bevor die alten zu Ende gehen? Sie verdient doch schließlich gut daran.
Den Aufenthalt hier lasse ich mir trotzdem nicht verderben...

Mittwoch, November 23, 2005

Besuch (2)

Letzte Woche hatte ich zum zweiten (und wohl letzten) Mal Besuch hier in Malta. Janina war für 7 Tage hier und hat bei mir in der Residence gewohnt. Schon etwas komisch sie nach so langer Zeit wieder zu sehen, aber das Gefühl war auch schnell wieder weg. Die Residence hat doch tatsächlich 4,50 Liri extra genommen pro Tag (ca. 11 Euro), obwohl ich ja für das Zimmer eigentlich "Miete" zahle (und die ist schon ziemlich teuer). Aber: "In Malta, if you want to have something, you have to pay." (Zitat: Ray, unser Nachtportier und wahrscheinlich der einzige Mensch auf Malta, der nicht total bescheuert ist).
Die Woche war aber doch ganz schön, auch wenn ich ausnahmsweise mal zu allen meinen Vorlesungen musste. Wir waren in Valletta, Sliema, Sant Anton's Garden und natürlich auch in Paceville. Am Montag ist Janina dann wieder zurück nach Bremen geflogen. Auf jeden Fall war es eine schöne Abwechslung im "öden" Residence Alltag;)

And the winner is... (Nachtrag)

Nachdem ich ca. 15 mal versucht habe, dieses Bild in den Artikel über die Miss-Malta Wahl einzufügen, versuche ich es jetzt mal so. Also das bin ich mit Miss Malta 2005:

Freitag, November 18, 2005

Meine Leute auf Malta (4): Alessio

Der Titel dieses Posts ist irreführend! Die Person um die es hier geht heißt offiziell nicht mehr Alessio Buscemi, sondern Pontifex, Papst oder auch heiliger Vater. Vor drei Wochen hat er sich den Namen "Papa Cazzo I." zugelegt und fungiert hier auf Malta als Anti-Papst (das gab es glaub ich seit dem Mittelalter nicht mehr, man musste allerdings damit rechnen, wenn man einen Deutschen zum Papst macht).
Alessio kommt wie Valerio aus Sizilien, sogar aus der gleichen Stadt, wie immer sie auch heißen mag. Alessio verbringt seine Zeit damit maltesischen Frauen hinterher zu laufen und in unserer Küche laute Brunftschreie abzugeben. Dabei spricht er so ziemlich jede Sprache fließend, zumindest plappert er jedes Wort nach das er hört. Besonders gerne brüllt er deutsche Wörter und klingt dabei wie Göbbels beim Aufruf zum totalen Krieg.
Alessio studiert Rechtswissenschaft, seine Talente liegen allerdings woanders: Musik. Letzten Mittwoch hatten er und drei andere Leute aus der Residence einen vielumjubelten Auftritt in einer Kneipe in Valletta. Auch in der Freizeit spielt und singt er für uns und wird mit Sicherheit zum maltesischen Eros Ramazotti. Oder wenigstens zum nächsten Daniel Kübelböck.

Sonntag, November 06, 2005

And the winner is...

Am letzten Samstag war es soweit: Miss-Malta Wahl. Freitag Abend wurde mein Smoking geliefert, den ich leider nicht behalten durfte. Nachdem ich Samstag Nachmittag dieses unsägliche Fußballspiel gesehen habe, ging die Vorbereitung für das große Event los. Man wollte ja Eindruck schinden, wenn man den schönsten dieser Insel begegnet. Um 19:30 wurden wir vom Veranstalter mit dem Auto abgeholt und in die Uni gebracht. Die Miss-Wahl fand im größten Hörsaal der Uni statt, was einen dann doch schon etwas verwundern durfte. War das hier vielleicht doch nicht ein ganz so großes Ding wie ich dachte?
Der Ablauf wurde uns nochmal genau erklärt und wir nahmen unseren Platz an der Seite der Bühne ein. Wir, das waren Maria, Adriana, Christian, Adé und ich aus der University Residence, George, der Chef vom ganzen und die Vize-Chefin, deren Namen ich schon wieder vergessen habe. Zur Unterstützung hatten wir ca. 120 Leute aus der Residence mitgebracht, unseren eigenen Fanclub sozusagen, der gegen 20:30, als es dann endlich losging, schon ordentlich betrunken war, weshalb auch nicht alle von ihnen das Ende mitbekamen (sie wurden wegen wiederholten Zwischenrufen rausgeschmissen).
Dann öffnete sich der Vorhang und es passierte erstmal nicht viel. Die Kandidatinnen tanzten zu irgendeinem Eurovision-Songcontests Lied eine einstudierte Choeographie, ein Pärchen tanzte zum selben Lied eine Choeographie, ein Mädel sang playback irgendein langweiliges Lied, eine Gruppe von 3 Mädeln sang playback irgendein anderes langweiliges Lied, ein Mädel sang "The Best" von Tina Turner (playback), ein pärchen sang und tanzte zu irgendeinem Musical Medley (playback), ein Teufel trat auf und tanzte zu irgendeinem anderen Eurovision-Songcontest Lied. Höhepunkte: eine der Tänzerinnen rutschte aus und fiel hin. eine Tänzerin trug nur einen Tanga. Hui.
Dann kamen die 20 Teilnehmerinnen, von denen die Hälfte noch nichtmal in einer halbleeren Bremer Straßenbahn positiv aufgefallen wäre, in Abendkleidern nacheinander auf die Bühne. Wir durften sie angucken und Punkte vergeben. Einige hübsche waren dann zum Glück doch dabei. Dem folgte ein unbeschreiblicher Auftritt eines maltesischen Fernsehstars (playback), der nacheinander jede der Teilnehmerinnen einmal begrabschen durfte. Dann war Pause. Die durften wir dann dazu nutzen, die Teilnehmerinnen kennenzulernen. 20 Minuten Smalltalk der übelsten Sorte..."Germany, very beautiful, I've never been there"..."It's not so important who wins in the end, we're all friends!"
Dann ging die "Swimsuit Session" los. Allerdings bekamen wir keine heißen Bikinis zu sehen, sondern zwanzig mal den gleichen Standardbadeanzug. Die Malteser bleiben mir ein Rätsel, da dürfen die Mädels keine Bikinis tragen, von wegen katholisches Land und so und dann treten ein Teufel und eine Frau im Tanga auf...
Zum Schluss gab es noch ein paar Auftritte mit Musik (playback). Unsere Punkte wurden ausgewertet und am Ende zog George einen vorher präparierten Umschlag unter dem Tisch hervor, in dem die Gewinner aufgelistet waren. Fast sowas wie Demokratie in der Republikka ta Malta. Auf jeden Fall gewann am Ende eins der Mädels. Und es war nicht das häßlichste - und das ist doch schließlich die Hauptsache, oder?
Fazit: Grandioser Abend, werde noch meinen Enkeln davon erzählen, wie ich damals bei der Miss-Malta Wahl in der Jury saß!

Freitag, November 04, 2005

Meine Leute auf Malta (3): Katie


Tja, was soll ich über Katie schreiben? Sie studiert “Creativity” und ist glaube ich die einzige, die weiß was das bedeuten soll. Sie macht auf Malta ihren “Master of Thinking”, was bei Amerikanern ja nie schaden kann. Genau genommen kommt sie aus Minnesota und hat tatsächlich in Iowa studiert. Ich weiß, das klingt wahnsinnig spannend, aber ich würde ihr jetzt unrecht tun, wenn ich das alles so stehen ließe. Eigentlich ist sie ziemlich beeindruckend, sie ist 22, hat schon 5 unterschiedliche Fächer studiert, darunter solche Dinge wie Public Relations oder auch Altgriechisch und bereits ihren Bachelor, der in den USA ja normalerweise vier Jahre lang dauert. Würde sie nicht dauernd versuchen mir einen “Minnesotan Accent” zu verpassen, könnten wir vielleicht echt gute Freunde werden;)

Mittwoch, November 02, 2005

Besuch (1)

Jetzt habe ich also doch Besuch aus der Heimat bekommen. Meine Tante Margot und ihr Freund Alexander sind für eine Woche hiergewesen. Am 1. November haben wir dann zusammen Margots Geburtstag gefeiert. Wir haben uns in Sliema, wo die beiden gewohnt haben, getroffen und sind haben zusammen Kaffee getrunken. Danach haben sie mich noch zum Essen eingeladen. Es war ein netter Abend, auch wenn ich mal wieder die Tücken des maltesischen Bussystems kennengelernt habe. Den Weg nach Sliema habe ich schließlich doch noch gefunden. Musste dann feststellen, dass die beiden in einer Woche weit mehr von der Insel gesehen haben als ich in sechs. Aber ich habe ja noch etwas Zeit das nachzuholen, schließlich bin ich ja noch ein paar Monate hier. Ein paar Geschenke gab es dann auch noch: meine Eltern haben mir ein Hörbuch und Schokolade geschickt und von Janina gab es eine Menge Süßigkeiten vom Freimarkt. So hab ich wenigstens ein bisschen das Freimarktsgefühl mitbekommen.
Am Freitag ging es dann für Margot und Alexander wieder nach Hause, allerdings nicht ohne Besuch in der Residence. Ich musste zur selben Zeit leider in die Uni und hab sie deshalb nur für ein paar Minuten gesehen. Gerade noch genug Zeit für ein paar Fotos. Aber der nächste Besuch steht ja schon bald an, am 14.11. kommt Janina.

Freitag, Oktober 28, 2005

Halloween

Der Bericht kommt etwas verspätet, die Halloweenparty war nämlich schon am Donnerstag, den 27. Oktober. International Students Night im Footloose, wie jeden Donnerstag, diesmal als Halloween Special. Die Begeisterung war eher gering, noch ein paar Stunden bevor es losging hatten die meisten Leute kein Kostüm und wollten sich auch nicht verkleiden. Ich hatte den gesamten Nachmittag damit verbracht einen Kostümshop zu finden, den es angeblich in Msida geben sollte. Bin sinnlos durch die Straßen geirrt, hab in Geschäften nachgefragt (als Antwort gab es nur ein Kopfschütteln). Als ich ihn endlich gefunden hatte, entpuppte sich der "Kostümshop" als kleines Schreibwarengeschäft mit ein paar Kinderkostümen im Schaufenster. Mein Austin-Powers-Kostüm konnte ich damit abhaken. Gefrustet kaufte ich ein paar falsche Zähne und fuhr nach Hause.
Zwei Stunden vor Abfahrt ging es dann aber los: Ein Bettlaken wurde zur Toga umfunktioniert, man hüllte sich in Alufolie und selbst Frauenkleider dienten bei als Transvestitenkostüm. Ich hatte meine Depri-Phase überwunden und beschloss, wenn ich schon kein Kostüm hatte, wenigstens mein Gesicht zu schminken. Unter Mithilfe der falschen Zähne verwandelte ich mich dann innerhalb von ein paar Minuten in eine Art Zombie. Aus Mangel an echtem Blut trank ich dann doch wieder Alkohol und fand mich ein paar Stunden später auf einem Podest an einer Stange tanzend wieder.
Insgesamt war's sicher einer der lustigsten Abende in Paceville, weil letztendlich doch fast alle verkleidet waren und die Tanzfläche nach einiger Zeit uns allein gehörte.
Die Fotos: (1) Juan Pablo, Alessio & Katie, (2) John & Amandine, (3) Esther, Katie, Francesca & Yulia, (4) Michael. Wollte eigentlich noch mehr Fotos hier reinstellen, aber dieses sch... Blog-Programm ist sowas von langsam, hab jetzt schon ne Stunde gebraucht um die 5 Bilder hier hochzuladen...